St. Georg Dessau


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Monatsgedanken

Allgemeines

Dezember 2022

Kein Maerchen


Wenn wir in diesem Jahr zu Heiligabend in den Gottesdienst gehen, ist es genau 10 Monate her, dass die russischen Truppen in die Ukraine einmarschiert sind. Auf Befehl ihres Praesidenten wollten sie zuerst Kiew und dann das ganze Land einnehmen. Seitdem begleiten uns die furchtbaren Nachrichten und Bilder aus diesem Krieg. Auf beiden Seiten sollen bereits 100.000 Soldaten verwundet und getoetet worden sein. Welch ein grausames Gemetzel mitten in Europa! Und wir koennen durch Drohnen- und Handykameras den Kriegsverlauf fast live mitverfolgen. Wie sehr wuenschten wir uns, das Morden moechte wenigstens zum orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar eine Pause finden. So wie im Ersten Weltkrieg 1914, als Deutsche und Englaender am Heiligabend einen Waffenstillstand aushandelten und sogar nacheinander Weihnachtslieder sangen. Nach den monatelangen Kaempfen in eisigen Schlammloechern hatten die Soldaten auf beiden Seiten fuer einige Stunden wieder eine Ahnung davon, wie sich ein Leben in Frieden anfuehlt.

Wir wuenschten, die beiden 'Brudervoelker' moechten zum orthodoxen Weihnachtsfest auch diese Erfahrung machen, die beim Propheten Jesaja aufgeschrieben ist: Raubtiere weiden neben schutzbeduerftigen Jungtieren, und einem kleinen Jungen kann dieses Kunststueck gelingen. Auch vom Kind in der Krippe wissen wir, dass es sein Auftrag war, der Welt die Botschaft vom Frieden auf Erden zu bringen. Wir ahnen, irgendwann wird der Krieg in der Ukraine zu Ende sein. Und bis dahin zaehlt jedes Zeichen der Hoffnung inmitten der Hoffnungslosigkeit, um einen neuen Anfang machen zu koennen.

Pfarrer Achim Detmersl



Januar 2023

Die Schoepfung ist ein Geschenk


"Kirche und Umweltschutz? Das hat ueberhaupt nichts miteinander zu tun!" Diese Aussage bringen Kritiker vor, wenn Kirchen oder Gemeinden etwa dazu aufrufen, Energie zu sparen, weniger Fleisch zu essen oder aufs Auto zu verzichten. Das sei alles nicht Aufgabe der Kirche, so geht die Argumentation weiter, stattdessen solle sie sich darauf konzentrieren, den Menschen von Gott zu predigen und auf Gottes Reich vorzubereiten. Doch: Kirche und Umweltschutz haben sehr wohl etwas miteinander zu tun, und Umweltschutz und das Predigen von Gottes Reich schliessen sich gegenseitig nicht aus.

"Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut", heisst es ganz zu Beginn der Bibel. Gott vertraut den Menschen seine sehr gute Schoepfung an und traegt ihnen auf, sie zu bebauen und zu bewahren. Dass der Mensch sich die Erde untertan macht, indem er ihre Ressourcen ausbeutet und einen Klimawandel herbeifuehrt, der die Lebensgrundlage zukuenftiger Generationen zerstoert, davon gibt es in der Bibel keine Vorstellung. "Wir koennen nichts tun! Und diese Welt wird ohnehin einmal dem Reich Gottes weichen!", sagen Kritiker dann.

Doch, wir koennen etwas tun. Dietrich Bonhoeffer hat einmal geschrieben: "Mag sein, dass der Juengste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit fuer eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht." Eine bessere Vorbereitung auf das Reich Gottes kann es eigentlich kaum geben.


Detlef Schneider


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