St. Georg Dessau


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Monatsgedanken

Allgemeines

April 2020 / Mai 2020

Tod und Auferstehung


Als sich das Corona-Virus bedrohlich ausbreitete, fragte mich ein Gemeindeglied: "Wie kann Gott das zulassen ?"

Eine verstaendliche Frage, die vielleicht jedem von uns durch den Kopf geht. In dieser Frage steckt eine weitere wichtige Frage: "Wer oder Was ist Gott ?".

Zwei Antworten aus der Bibel weisen uns die Richtung:
Erstens ... Der Apostel Paulus antwortet darauf: "Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, und er wird seit der Schoepfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt ..." (Brief an die Roemer 1, 20).
Zweitens ... Der Evangelist Johannes schreibt: "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die muessen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten"

Gott ist "unsichtbar", Gott ist "ewige Kraft" und Gott ist "Geist".

Schauen wir mit diesen Antworten in die Natur. Die Kraft, die in der Natur wirkt, nennt die Biologie: Evolution. Schaut man diese naturwissenschaftliche Feststellung mit den Augen des Glaubens an, so kann man sagen: "Evolution" ist der sich mit "ewiger Kraft" entfaltende Gott in der Natur, auf unserem Planeten und im Kosmos.

Die Natur ist anziehend (und trostvoll). Die Natur ist aber auch gnadenlos (und abstossend). Mit menschlichen Augen betrachtet erscheint die Natur attraktiv und gnadenlos zugleich. Zum Beispiel: wie attraktiv sieht ein Fuchs aus, wenn er mit seinem buschigen roetlichen Schweif auf gruenem Feld entlangschnuert, und wie gnadenlos erleben wir ihn, wenn er sich das geliebte Oster-Kaninchen der Enkelin holt. Wie der Fuchs, so ist der Mensch Teil der Natur und je nach Anschauung sind wir entweder anziehend (trostvoll) oder abstossend (gnadenlos): Wie attraktiv, wie anziehend, erscheint der Mensch, den man liebt. Wie gnadenlos empfindet man den Menschen, wenn man sieht, wie wir Pflanzen (z.B. Berg-Wohlverleih) und Tiere (z.B. Kiebitz, afrikanisches Nashorn) ausrotten.

Die Natur ist anziehend und gnadenlos. Und der Mensch ist es auch.

Die Natur draengt aber immer auf gerechten Ausgleich:
Was Menschen als Folge ihrer gnadenlosen Naturzerstoerung erleiden, koennen wir taeglich auf der Erde beobachten. Wir erleben aber auch, wie trostvoll sich medizinischer Fortschritt auf den Menschen auswirkt.

Gott entfaltet sich in der Natur gerecht:
Das possierliche Schuppentier (Pangolin) wird seit langem wegen seiner Keratin-Schuppen und wegen seines zarten Fleisches von Menschen gnadenlos verfolgt und getoetet. Es steht auf der roten Liste der gefaehrdeten Lebewesen ganz oben. Wissenschaftler erlaeutern uns nun, dass sich das SARS-CoV-2/COVID-19 Coronavirus von getoeteten Schuppentieren auf den Menschen uebertragen hat. Der Mensch als das "organisatorisch, strategisch, technologisch staerkste Raubtier" (Uwe Herms) in der Natur, unterliegt ploetzlich einer gerecht veraenderten Hackordnung: Covid-19, das kleine Protein des Schuppentieres, draengt zum natuerlichen Ausgleich; "Ausgleich" meint hier "Gerechtigkeit" - Wie war die Frage der Frau vom Anfang: "Wie kann Gott das zulassen ?" - Wir koennten fragen: "Wie koennte Gott Gerechtigkeit nicht zulassen ?"

"Es wird gesaet verweslich, und wird auferstehen unverweslich"

Wir Menschen sind Teil der Entfaltung Gottes in Natur und im Kosmos. Als Teil dieser Natur sind wir "verweslich". Gott ist als "ewige Kraft" in der Natur "unsichtbar" wirksam. "Unsichtbar" ist Gott insofern, als er "Geist" ist, wie der Evangelist Johannes feststellt. "Unverweslich", wie Paulus es nennt, sind wir, weil wir aus dem Geist Gottes geboren sind. "Unverweslich" bedeutet dann, dass wir nicht in Raum und Zeit, nicht in Koerper und Zelle auferweckt werden, sondern im goettlichen Geist auferstehen werden. So sind wir "verweslich" in der Natur und "unverweslich" im Geist.

Jesus zu seinen Lebzeiten hat das gewusst und immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr wir als natuerliche Wesen koerperlich und seelisch verletzbar sind, aber selbst auch anderes Leben koerperlich und seelisch verletzen. Jesu Kreuzigung an Karfreitag zeigt das drastisch an. Zu Ostern ist Jesus als auferweckter Christus "unverweslich" von seinen Anhaengern erlebt und bezeugt worden, das lesen wir in der Bibel. Auch wir heute koennen Christus erleben und aufnehmen im "Geist" und in "ewiger Kraft" und "unverweslich". Wo ? In der Taufe, im Abendmahl und im Gebet. So entfaltet sich Gott kraftvoll fuer uns persoenlich und gerecht zur "Erloesung von unserm boesem Denken und Tun".

Was fragte die Frau am Anfang: "Wie kann das Gott zulassen ?"
Antwort: Gott laesst es zu, weil wir Teil von ihm sind.

"Es wird gesaet verweslich, und wird auferstehen unverweslich"

In diesem Sinne wuensche ich uns und aller Kreatur "Frohe Ostern" und "Auferweckung" im neuen Leben.

Ihr Pfarrer Martin K. Guenther


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