St. Georg Dessau


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Monatsgedanken

Allgemeines

Juni 2020 / Juli 2020

Herz


Im Unterschied zu unserem alltaeglichen Verstaendnis hat das Wort "Herz" in der Bibel eine umfassendere Bedeutung. Im Biblisch-Historischen Woerterbuch heisst es dazu: "Das Herz steht fuer Lebenskraft, Sitz des Gefuehls und der Furcht, Erinnerung und Verstand. Kurz es handelt sich um einen Sammelbegriff fuer das Wesen und den Charakter des Menschen."

Fuer mich verbinden sich mit dem Begriff "Herz" verschiedene Aussagen und Bilder: "Der barmherzige Samariter", "mit Herz und Verstand", "Geh aus, mein Herz und suche Freud", "Herzlichen Glueckwunsch", "Na, mein Herzchen", "ihr fehlt die Herzensbildung", "meine Herzallerliebste", "Herz-Schmerz" und das Maerchen von W. Hauff: Kohlenmunk-Peter tauscht fuer Reichtum sein lebendiges Herz gegen ein "Kaltes Herz". Sind Menschen "hartherzig" so stecken dahinter unverarbeitete seelische Verletzungen, bittere Erfahrungen oder das Gefuehl im Leben zu kurz gekommen zu sein. Kaelte und Neid wehen uns von diesen Menschen an.

Wie gut tun uns dagegen Menschen, von denen wir sagen: "der hat sein Herz am rechten Fleck", ist hilfsbereit, aufrecht und ehrlich. Unabhaengig all solcher persoenlichen Beurteilungen unserer Mitmenschen, erkennt Koenig Salomo im Alten Testament, dass niemand sich mit seinem Herzen vor Gott verstecken kann, sondern nach seinem Herzen von Gott gerichtet wird.

Mit Jesus kommt eine neue Erkenntnis Gottes hinzu: Gott kennt zwar das "Trachten des menschlichen Herzens" (1 Mose 8, 21), aber ER bedenkt die Tragik und Verletztheit jeder einzelnen Lebensgeschichte und urteilt deshalb "barmherzig". Auf diesem Hintergrund schaut Jesus den Menschen realistisch - exemplarisch in Petrus - an und weiss um unser Bemuehen gut und treu sein zu wollen, aber er weiss eben auch, dass jeder von uns an seinen eigenen Massstaeben scheitern kann.

Der Gott, den Jesus verkuendet, versteht uns und spricht: "Euer Herz erschrecke nicht" (Joh. 14, 1), vielmehr "euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen" (Joh. 16, 22).

In diesem Sinne, Gott befohlen.

Ihr Pfarrer Martin K. Guenther


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