St. Georg Dessau


Direkt zum Seiteninhalt

Monatsgedanken

Allgemeines

Oktober 2021

Gebt Liebe und Freude weiter!


Es ist voellig sinnlos, Kinder zu erziehen, sie machen sowieso alles nach, Erziehung ist Vorbild und Liebe. Mir sind diese Saetze stets in den Sinn gekommen, wenn ich am pubertierenden Kind fast verzweifelt bin. Am schlimmsten war es, wenn ich genau meine eigenen Charakterzuege und Verhaltensmuster gespiegelt bekommen habe. Was gebe ich da weiter, was will ich erreichen fuer meine Familie, fuer mich, fuer die Gesellschaft? Achtsam sein - ein in den letzten Monaten oft geforderter Grundsatz. Und so oft er laut wurde, so oft ist er mit Fuessen getreten, niedergebruellt worden - nur einfach dagegen sein, negative Gedanken rausschreien. Schlechte, destruktive Gedanken koennen einem den ganzen Tag vermiesen, vielleicht sogar das ganze Leben. Ich bin dann so erfuellt von negativen Gefuehlen, Gedanken und Themen, dass fuer nichts anderes Platz ist.

Also: Lieber anders an den Tag, das Leben herangehen - Mut machen, Freude verbreiten, nach Liebens- und Lebenswertem Ausschau halten! Luther sagt das sehr deftig: "Aus einem verzagten Arsch kommt kein froehlicher Furz." Die Bibel sagt es etwas feinsinniger: Macht euch gegenseitig Mut, entdeckt die Liebeszeichen Gottes und haltet die fest, die in Hoffnungslosigkeit oder Aggression versinken.

Gebt die Liebe und Freude weiter, die ihr hoffentlich in euch tragt! Christen koennen wirklich erloester aussehen, wenn sie Gottes Liebe annehmen.

Carmen Jaeger



November 2021

Warten


Im November endet das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag. Der Tod wird erinnert und manche Traene faellt aufs Grab. Paulus denkt darueber nach und schreibt von "Gottes Liebe" und vom "Warten auf Christus". "Warten auf Christus" meint die Wiederkunft Christi in neuer Gestalt bei uns. Davon unabhaengig ist Christus bereits seit Ostern unter uns - mal sichtbar in helfenden Menschen, mal unsichtbar in "unseren Herzen" - Trost und Freude wirkend. Wenn wir hier lesen von "eure Herzen", dann ist damit nicht etwa - im Unterschied zu unserer modernen Auffassung - das Herz als romantischer Ort der Gefuehle und des Glaubens gemeint, sondern nach damaligem Verstaendnis ist das Herz der Sitz des Willens und des Verstandes. Also das Gegenteil unseres Verstaendnisses heute. Willen und Verstand sollen auf "Gott" und das "Warten auf Christus" ausgerichtet werden.

Ueblicherweise sind wir der Auffassung, dass uns der Glaube an Christus durch Erfahrungen unseres Lebens zugespielt, und angeregt wird, aber nicht willentlich oder gar mit dem Verstand entschieden wird. Dass wir also selbst dabei weitgehend passiv beteiligt sind. Aber schon das beruehmte Wort im Alten und Neuen Testament: "Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Willen und all deiner Kraft." (Markus 12, 30) entspricht ganz der Meinung Pauli, dass Gott und Jesus Christus durch Willen und Verstand erkannt werden koennen. Willen und Verstand hat mit persoenlicher, subjektiver Entscheidung zu tun. So einfach und verblueffend es klingen mag, aber Paulus regt uns dazu an die Entscheidung fuer Gott in unserem gewoehnlichen Alltag mit Willen und Verstand zu treffen. Das heisst z.B. konkret: ich gehe morgens ins Bad, trete vor den Spiegel, sehe mich an und spreche in Gedanken: "Ja, HERR, ich will an Dich glauben, ja, ich bitte Deine Naehe in Jesus Christus, ja, es wird mir guttun, mich auf GOTT zu verlassen."

Klingt eine solche Entscheidung kindlich oder naiv?

Warum sollte sie? Paulus ist der Ueberzeugung, dass man auf verschiedene Weise zum Glauben kommt. Man kann sich bewusst im Alltag fuer den Glauben entscheiden, so, wie man taeglich die Entscheidung darueber trifft, was man einkauft, ob man das Fahrrad repariert oder die Nachbarin freundlich gruesst. Die Entscheidung fuer den "HERRN" ist kein einmaliger Akt, sondern soll taeglich in "Fleisch und Blut uebergehen", wie man so sagt. Es geht am Morgen oder am Abend um ein entspanntes, freundliches Bewusst-werden der Naehe Gottes. Und in dem man das tut, erlebt man diese Naehe ganz selbstverstaendlich - und "es tut auch gar nicht weh", sondern gibt mir die unsichtbare Sicherheit, die ich im Alltag gut gebrauchen kann. Erst recht, wenn ich mich am Ewigkeitssonntag meiner verstorbenen Lieben erinnere, und Christus meine Traenen trocknet. Dann sagt mein Verstand, wie gut, dass es DICH gibt.

In diesem Sinne, ein Versuch ist es wert.

Ihr Pfarrer Martin K. Guenther


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü